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Press Corner>Coca Cola Light>2006-2007

Coke Light Art Edition 2006 -Begründung des Juryurteils

Zusammengefasst von Stephan Schmidt-Wulffen,

Rektor der Akademie der bildenden Künste Wien

 

 

Jury-Mitglieder:

Sabine Dreher – Liquid Frontiers

Andrea Jungmann – Sotheby’s, Geschäftsführerin Österreich und Ungarn

Brigitte Kowanz – Künstlerin und Professorin an der Universität für angewandte Kunst Wien

Stephan Schmidt-Wulffen – Rektor der Akademie der bildenden Künste Wien

 

 

Die drei gekürten Künstler/Künstlergruppen sind:

 

Manfred Erjautz für „WITH OUT”

Lord Jim Loge powered by monochrom für „KEINER HILFT KEINEM”

Bad Beuys für „Coca-Cola light FLASCHENTROCKNER“

 

WITH OUT: Manfred Erjautz hat vorgeschlagen, die gängigen Oberflächengestaltungen von Flaschen fast gänzlich zurückzunehmen. Die Cola-Cola light Flasche wird papierweiß, die erforderlichen Logos und Schriftzüge sollen auf ein Minimum reduziert und auf die Ver¬schlusskapsel gedruckt werden. Im unteren Bereich der Flasche liegen seine Werkdaten als seien sie „abgerutscht“. Der Künstler beschreibt diese Positionierung als „literarischen Bodensatz“ und spielt damit auf die Rolle von Coca-Cola in der Popliteratur an (z.B. bei R.D. Brinkmann). Erjautz glaubt, dass Konsumenten auf dieser weißen Flasche selbst gestalterisch aktiv werden könnten.

 

KEINER HILFT KEINEM: Die Lord Jim Loge des Künstlers Jörg Schlick ist bekannt durch ihr Logo. Der Künstler selbst trat hinter dem Logo zurück und lieferte damit eine Kritik am üblichen Künstlerindividualismus. Mitglieder der Loge wie Martin Kippenberger und Albert Oehlen haben das Signet gelegentlich in Arbeiten verwendet und es wegen der eigenen Bekanntheit auch bekannt gemacht. Das Ziel, das Signet „bekannter zu machen als

Coca-Cola“, wurde jedoch nie erreicht. Nach dem Tode von Schlick übernahm die Gruppe mono¬chrom alle Marken- und Nutzungsrechte an der Lord Jim Loge. Sie schlagen vor, eine Coca-Cola light Flasche mit dem vielfach wiederholten Signet der Lord Jim Loge zu überziehen.

 

Coca-Cola light FLASCHENTROCKNER: Bad Beuys spielen schon im Titel mit dem legendären Vorbild Joseph Beuys. Sie nehmen sich jene Künstler zum Vorbild, die auch Beuys beeinflusst haben. Im Zusammenhang mit dem Wettbewerb ist dies Marcel Duchamp, eine der großen Heroen moderner Kunst. Duchamp gilt als der Erfinder des „ready made“, eines Kunstwerkes also, das nichts mehr oder weniger ist als ein Gebrauchsobjekt, das durch seine schiere Übertragung aus einem Gebrauchszusammenhang in den des Museums künstlerische Aura erhält. Berühmtestes Beispiel dafür ist der Flaschentrockner, den Duchamp 1913 in einem Pariser Kaufhaus kaufte und dann als Skulptur ausstellte. Bad Beuys wollen eine Coca-Cola light Flasche rundum mit dem Motiv eines solchen Flaschentrockners bedrucken.

 

Während alle anderen Künstler sich mit dem Wettbewerb rein grafische und gestalterische Aufgaben stellten, greifen die drei gewählten Preisträger weit über bloße grafische Fragen hinaus, ohne sie jedoch zu vernachlässigen.

 

Erjautz führt uns – wie auch die Diskussion mit Veit Salentinig (Brand Manager für

Coca-Cola light in Österreich) in der Jury zeigte – an die Grenzen von Marketingregeln. Er nutzt das Privileg der Wettbewerbseinladung, um stillschweigende Regeln und Konventionen, dadurch dass er sie in Frage stellt, sichtbar werden zu lassen. Seine Arbeit thematisiert nicht einfach nur eine Flasche, sondern „Spielregeln“ einer Institution. Damit nimmt er neueste Strategien postkonzeptueller Kunst auf. Allerdings bleibt seine Lösung auch optisch äußerst reizvoll und schlüssig. Man kann sogar den Eindruck gewinnen, dass die Durch¬brechung der Beschriftungskonventionen die Marke besonders nachdrücklich einprägt.

 

Das Projekt von Lord Jim Loge powered by monochrom gewinnt seinen Reiz sicherlich durch die posthume Einlösung eines eigentlich unerreichbaren Ziels: „bekannter machen als

Coca-Cola“. Hier wird durch die Duldung von Coca-Cola die Lord Jim Loge an das ursprüngliche Ziel geführt. Für die gesamte internationale Kunstszene, die über die eminente Bedeutung vom Lord Jim-Anhänger Martin Kippenberger diesen Anspruch Schlicks und sein Schicksal als „Loser“ (zumindest in dieser Sache) kennt, ist es eine spektakuläre Korrektur des zu Erwartenden. Für Coca-Cola bietet sich der Vergleich zu den Campbell Suppen von Andy Warhol an: Gäbe es doch nur eine Campbell Suppe, die als Banderole eine Zeichnung Warhols hätte!

 

Die Bad Beuys tragen dazu einen kunsthistorischen Aspekt bei: Für alles, was sich an den Vorschlägen von Erjautz und Lord Jim diskutieren lässt, ist Marcel Duchamp das historische Vorbild. Er setzt zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine konzeptuelle Entwicklung in Gang, die die künstlerische Arbeit und das Kunstverständnis grundlegend verändert hat.

 

 

 

Die Jury hat in ihrer Entscheidung auch den Zusammenklang der drei Projekte berücksichtigt. Wir sehen den Flaschentrockner mit seinem rund geklebten realistischen Bild flankiert von einer weißen Flasche, die über und über mit einem Symbol dekoriert ist und einer zweiten weißen Flasche, die beinahe ungestaltet ist. In diesem optischen Dreiklang ist ein zeitgenössisches Kunstdenken orchestriert, das eben nicht nur materiale Werke betrifft, sondern auch jene sozialen Relationen, die sich um ein Werk und dessen Produktion entspinnen. Vergleicht man außerdem die Namen der prämierten Künstler mit jenen der restlichen Einreichungen, so ist hier eine international anerkannte junge österreichische Künstlerschaft zum Zuge gekommen.

 

Sowohl im Sinne dieser Bekanntheit, als auch in gestalterischer und konzeptueller Hinsicht scheint uns die Entscheidung für Erjautz, Lord Jim Loge powered by monochrom und Bad Beuys ein hervorragendes Signal für die Kunstszene, das von dieser auch mit Anerkennung beantwortet werden wird.

 

Rückfragen und weitere Informationen:

 

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Magdalena Racieski, Coca-Cola Österreich

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